Zinsänderung
Steigen die Zinsen, sinkt der Kurs Ihrer Anleihe. Relevant ist das nur bei einem Verkauf vor Verfall, bei langen Laufzeiten aber deutlich.
Geldmarktbuchforderungen, Anleihen der Eidgenossenschaft, Kassenobligationen und Unternehmensanleihen: was Sie bezahlen, was Sie erhalten und was schiefgehen kann. Ein Lesekurs, keine Kaufempfehlung.
Obligationen gelten oft als der «ruhige» Teil eines Portfolios. Das ist ein brauchbares Bild, aber ein unvollständiges: Eine Anleihe hat einen Kurs, der sich täglich verändert, einen Schuldner, der in Schwierigkeiten geraten kann, und einen Zahlungsplan, den man lesen können sollte.
Bei Klarwertpartners erklären wir diese Mechanismen mit einfachen Zahlenbeispielen und offen gelegten Annahmen. So können Sie ein Emissionsprospekt oder das Ergebnis einer Auktion der Eidgenossenschaft selbstständig einordnen.
Eine Anleihe ist ein Kredit, der in viele Titel aufgeteilt wird. Wer einen Titel erwirbt, leiht dem Bund, einem Kanton oder einem Unternehmen Geld zu im Voraus festgelegten Bedingungen.
Braucht ein Staat oder eine Firma Kapital, kann sie einen Bankkredit aufnehmen oder sich direkt an Anlegerinnen und Anleger wenden, indem sie Schuldpapiere ausgibt. Jeder Titel verbrieft einen kleinen Teil dieses Kredits und hält die Spielregeln schriftlich fest: wie viel zurückbezahlt wird, wann, und welcher Zins in der Zwischenzeit fliesst.
«Fest» an der festverzinslichen Anlage sind diese Regeln, nicht das Resultat. Halten Sie den Titel bis zum Schluss und zahlt der Schuldner wie vereinbart, kennen Sie die Beträge im Voraus. Verkaufen Sie früher, hängt der Erlös vom Marktkurs ab. Gerät der Schuldner in Not, können Zahlungen ausbleiben oder gekürzt werden.
Wer Obligationen verstehen will, muss deshalb vor allem drei Zusammenhänge kennen: zwischen Coupon und Kurs, zwischen Kurs und Marktzinsen sowie zwischen der Bonität des Schuldners und der Rendite, die der Markt von ihm verlangt.
In der Schweiz beschafft sich der Bund Geld über Auktionen von Geldmarktbuchforderungen und Eidgenössischen Anleihen. Banken, allen voran die Kantonalbanken, bieten zudem Kassenobligationen an, und Unternehmen begeben Anleihen mit sehr unterschiedlichen Ausgestaltungen, bei denen sich ein genauer Blick in den Prospekt lohnt.
Jede klassische Anleihe lässt sich auf einen Zeitplan von Zahlungsströmen reduzieren. Wer ihn aufzeichnet, versteht sie am schnellsten.
Das Diagramm zeigt den einfachsten Fall: eine Anleihe mit festem Jahrescoupon. Man liest es von links nach rechts wie einen Zeitstrahl.
Geldmarktbuchforderungen (GMBF) des Bundes sind der Extremfall: Sie haben keinen Coupon. Man erwirbt sie unter dem Nennwert, und die Differenz ist der Ertrag. Wer etwa CHF 970 für eine zwölfmonatige Forderung bezahlt, die CHF 1'000 zurückzahlt, erzielt vereinfacht gerechnet rund 3.09 % (30 / 970), vor Gebühren und Steuern.
Drei verbreitete Formen fester Verzinsung in der Schweiz: zwei Papiere des Bundes und eines der Banken. Sie unterscheiden sich vor allem in Laufzeit und Handelbarkeit.
| Merkmal | Geldmarktbuchforderungen | Eidg. Anleihen | Kassenobligationen |
|---|---|---|---|
| Laufzeit | Bis 12 Monate (üblich: 3, 6 und 12) | Mehrere Jahre bis Jahrzehnte | Meist 2 bis 10 Jahre |
| Ertrag | Diskont: Kauf unter dem Nennwert, ohne Coupon | Fester Jahrescoupon | Fester Jahrescoupon |
| Zugang | Auktion, meist via Bank; vor allem Institutionelle | Auktion oder Börse (SIX) | Direkt bei der Bank, oft ab CHF 1'000 |
| Kursreaktion auf Zinsen | Gering | Mittel bis hoch | Kein Börsenkurs, kaum vorzeitig verkäuflich |
| Typischer Einsatz | Kurzfristige Liquidität | Mittlere und lange Horizonte, stärkere Kursschwankungen | Sparen mit festem Horizont bis Verfall |
Auch Unternehmen nehmen über Anleihen Geld auf. Die Mechanik bleibt gleich (Nennwert, Coupon, Verfall), doch es kommen Feinheiten hinzu, die beim Bund kaum ins Gewicht fallen: die Bonität der Firma, der Rang der Anleihe gegenüber anderen Gläubigern, Kündigungsrechte oder Coupons, die sich aus einem variablen Referenzzins plus Aufschlag ergeben. Eine Sonderform sind Pfandbriefe, die durch Hypothekarforderungen gedeckt sind.
Weil das Ausfallrisiko meist höher ist als bei einem Staat mit guter Bonität, verlangen Anleger eine Zusatzrendite. Diese Differenz heisst Risikoaufschlag oder Spread. Sie ist der Preis für das Kreditrisiko und kein Geschenk.
Viele Unternehmensanleihen haben zudem hohe Mindestbeträge oder werden am Sekundärmarkt nur selten gehandelt. Ein Verkauf vor Verfall zu einem fairen Kurs kann dann schwierig sein.
Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bereits ausgegebener Anleihen, und umgekehrt. Das ist die wichtigste Idee dieses ganzen Kurses.
Angenommen, Sie besitzen eine Anleihe mit 3 % Coupon. Am nächsten Tag kommen vergleichbare Anleihen mit 4 % auf den Markt. Niemand wird für Ihren Titel noch gleich viel bezahlen: Sein Kurs muss so weit sinken, bis Coupons und Rückzahlung zusammen einem neuen Käufer eine marktübliche Rendite bieten. Am kurzen Ende orientiert sich dieses Zinsniveau stark am Leitzins der SNB.
Die Rendite, die man erzielt, wenn man heute zu einem bestimmten Kurs kauft und bis zum Ende hält, heisst Verfallrendite (englisch Yield to Maturity, YTM). Der Coupon ändert sich nie; angepasst werden der Kurs und mit ihm die Verfallrendite.
Den theoretischen Kurs erhält man, indem man jeden künftigen Zahlungsstrom mit dem Marktzins abzinst: Jeder Coupon und der Nennwert werden durch (1 + Zins) hoch Anzahl Jahre bis zur Zahlung geteilt.
Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit, Nennwert CHF 1'000, Jahrescoupon 3 %. Steigt der Marktzins für diese Laufzeit und diesen Schuldner von 3 % auf 4 %, beträgt der theoretische Kurs:
30/1.04 + 30/1.04² + 30/1.04³ + 30/1.04⁴ + 1'030/1.04⁵ = CHF 955.48
Wer zu diesem Kurs kauft und bis Verfall hält, erzielt eine Verfallrendite von 4 % (sofern der Emittent zahlt und die Coupons zum selben Zins wieder angelegt werden, vor Gebühren und Steuern).
| Marktzins | Theor. Kurs | Veränderung |
|---|---|---|
| 2 % | CHF 1'047.13 | +4.71 % |
| 3 % (= Coupon) | CHF 1'000.00 | 0.00 % |
| 4 % | CHF 955.48 | −4.45 % |
| 5 % | CHF 913.41 | −8.66 % |
Die Duration gibt an, wie lange es im gewichteten Durchschnitt dauert, bis Sie die Zahlungen der Anleihe zurückerhalten. Im Beispiel sind es rund 4.72 Jahre; die «modifizierte» Duration (4.58) schätzt, dass ein Zinsanstieg um einen Prozentpunkt den Kurs um etwa 4.58 % drückt. Exakt gerechnet sind es 4.45 %: Die kleine Abweichung erklärt die Konvexität.
Je länger die Laufzeit, desto höher Duration und Zinsempfindlichkeit. Mit gleichem Coupon von 3 %, aber zehn Jahren Laufzeit, würde derselbe Anstieg um einen Punkt den theoretischen Kurs auf CHF 918.89 senken, ein Minus von 8.11 %.
«Festverzinslich» heisst nicht «sicher». Diese Risiken stehen in jedem Prospekt, und Sie sollten sie erkennen.
Steigen die Zinsen, sinkt der Kurs Ihrer Anleihe. Relevant ist das nur bei einem Verkauf vor Verfall, bei langen Laufzeiten aber deutlich.
Der Schuldner kann Zahlungen verzögern, umschulden oder ausfallen. Das ist das Kernrisiko von Unternehmensanleihen und auch bei Staaten nicht null.
Möglicherweise finden sich beim Verkauf nicht genug Käufer, oder nur mit spürbarem Abschlag auf den theoretischen Kurs.
Ein fester Coupon verliert an Kaufkraft, wenn die Teuerung höher ausfällt als erwartet. Entscheidend ist die reale Rendite nach Inflation.
Erhaltene Coupons müssen zu den dann geltenden Zinsen angelegt werden, die tiefer sein können als zu Beginn.
Manche Anleihen darf der Emittent früher zurückzahlen, meist dann, wenn es ihm nützt, nicht Ihnen.
Ratingagenturen fassen ihre Einschätzung zur Zahlungsfähigkeit eines Schuldners in einer Buchstabenskala zusammen. Das ist eine Meinung, keine Garantie, und sie kann sich ändern.
Ein tieferes Rating geht meist mit einer höheren Verfallrendite einher. Diese Mehrrendite ist die Entschädigung, die der Markt für ein grösseres Risiko verlangt, keine Gratischance.
Zwei Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit: eine eines Staates mit Top-Rating und 3 % Verfallrendite, eine eines Unternehmens mit Rating BB und 6 % Verfallrendite. Der Spread beträgt 3 Prozentpunkte.
Das heisst nicht, die zweite sei «besser». Es zeigt, dass der Markt dem Unternehmen eine deutlich höhere Ausfallwahrscheinlichkeit zuschreibt. Fällt der Schuldner aus, kann der Verlust die erhaltenen Coupons um ein Vielfaches übersteigen.
Der Prospekt ist absichtlich lang: Er enthält alles, was der Emittent offenlegen muss. Diese Lesereihenfolge hat sich bewährt.
Für öffentliche Angebote in der Schweiz verlangt das Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) in der Regel einen Prospekt, der vor der Veröffentlichung von einer Prüfstelle genehmigt wird. Für Anleihen und Geldmarktbuchforderungen des Bundes publiziert die Eidgenössische Finanzverwaltung die Emissionsbedingungen und Auktionsergebnisse.
Eine Auswahl aus dem vollständigen Glossar, das Sie nach der Anmeldung zum Seminar per E-Mail erhalten.
Nein. Die erste Sitzung beginnt bei null, und alle Rechnungen werden Schritt für Schritt mit einem gewöhnlichen Taschenrechner erklärt. Prozentrechnen genügt.
Nein. Klarwertpartners ist ein Bildungsprojekt: Wir vertreiben keine Finanzprodukte, nehmen kein Geld zur Anlage entgegen und empfehlen weder Kauf noch Verkauf eines bestimmten Titels. Alle Beispiele sind hypothetisch.
Nein. Der Kurs kann bei steigenden Zinsen fallen, der Schuldner kann ausfallen, und ein Verkauf vor Verfall kann schwierig sein. Selbst wer bis zum Schluss hält, kann durch Inflation an realem Wert verlieren.
Sie verkaufen zum Tageskurs, der über oder unter Ihrem Kaufpreis liegen kann. Zusätzlich erhalten Sie den Marchzins und bezahlen allenfalls Gebühren und Abgaben. Das Endergebnis steht nur dann im Voraus fest, wenn Sie bis Verfall halten und der Emittent zahlt.
Der Bund platziert sie über regelmässige Auktionen, an denen man in der Regel über eine Bank teilnimmt; danach werden sie am Sekundärmarkt gehandelt. Im Seminar zeigen wir, wie die Auktionen ablaufen und wie man ihre Ergebnisse liest, ohne einen bestimmten Weg zu empfehlen.
Zugang zu den vier Sitzungen des Online-Seminars, Hinweise zu den Daten jeder Durchführung und das vollständige Glossar als PDF per E-Mail. Die Teilnahme ist kostenlos und mit keinem kommerziellen Angebot verbunden.
Vier Live-Sitzungen und ein Glossar per E-Mail. Kostenlos, unverbindlich und ohne Produktverkauf.